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Robin Hood gewinnt den goldenen Pfeil ist ein Sage von 1973. In dieser Sage gewinnt Robin den goldenen Pfeil bei einem Schützenfest. Hier spielt der alte Robin Hood eine Rolle.

Die GeschichteBearbeiten

Robin Hood gewinnt den goldenen Pfeil

Bei der Kirmes in Nottingham fand in jedem Herbst ein großer Schießwettkampf statt. Es war Sitte, daß sich dazu die besten Bogenschützen Englands einfanden. Und ebenso strömten die Zuschauer von nah und fern herbei. In diesem Jahr hatte der Sheriff von Nottingham als Preis für den Sieger einen Pfeil aus purem Gold ausgesetzt. Damit wollte er die Anwesenheit des Regenten ehren, denn Prinz Johann hatte es sich nicht nehmen lassen, nach Nottingham zu kommen, um dem Wettschießen beizuwohnen. Er hatte Freude an solchen kriegerischen Spielen.

Als der Tag des Wettkampfes gekommen war, lachte die Oktobersonne vom blauen Himmel. Draußen, vor der Stadt, auf einer großen Wiese, wurden die Ritterspiele und auch das Bogenschießen ausgetragen. Für die feinen Herrschaften waren Tribünen errichtet worden, das einfache Volk stand beiderseits der abgesteckten Schießbahn.

Für den Wettkampf im Bogenschießen hatten sich über dreißig Teilnehmer gemeldet. Man hörte klangvolle Namen, die jedermann bekannt waren, denn die Kunst des Bogenschießens war sehr verbreitet, vor allem unter den einheimischen Sachsen, aber auch bei den normannischen Rittern. Und für die Angehörigen der Leibwache des Prinzen war es eine Selbstverständlichkeit, sich Tag für Tag in dieser Kunst zu üben.

Der Wettkampf begann mit einem Schuß auf eine kopfgroße Scheibe aus einer Distanz von hundert Fuß. Wer die Scheibe traf, durfte am weiteren Wettkampf teilnehmen, wessen Pfeil sie verfehlte, mußte ausscheiden. Sechsunddreißig Pfeile wurden nacheinander abgeschossen, doch nur zehn trafen das Ziel.

Ein Hornsignal ertönte. Das war das Zeichen für den Beginn des zweiten Durchgangs. Auf den Tribünen bei den feinen Herrschaften wurde die Aufmerksamkeit größer, nachdem die erste Auslese getroffen war.

Eine neue Scheibe wurde aufgestellt. Sie hatte nur noch die Größe eines Apfels, die Entfernung aber betrug jetzt hundertfünfzig Fuß. Wieder hatte jeder Schütze einen Schuß. Als diese Runde vorbei war, hatten nur drei Pfeile die Scheibe getroffen.

"Wie erwartet, Gilbert von Leicester und Hubert von Staffordshire," sagte auf der Tribüne Prinz Johann zu einer hübschen Hofdame. "Doch wer ist der dritte Schütze, mein Prinz?", erkundigte sich die Schöne.

Prinz Johann winkte einen seiner Knappen heran und beauftragte ihn, sich nach dem Namen des Schützen im grünen Gewand mit der Fasanenfeder am Hut zu erkundigen. "Er nennt sich Robert von Locksley," sagte der Knappe, als er wenige Augenblicke später zurückkam. "Von den Herrschaften hat ihn noch niemand gesehen."

Der Knappe irrte sich. Ganz hinten, am Ende der Tribüne, saß ein Mann, der genau wußte, wer dieser Robert von Locksley war. Doch der Steuereinnehmer des Sheriffs zog es vor, sein Wissen vorläufig noch für sich zu behalten.

Wieder bliesder Herold ins Horn, als Signal für den dritten Durchgang. Entfernung zweihundert Fuß auf eine Scheibe, deren schwarzes Zentrum nicht größer als eine Pflaume war. Erneut flogen drei Pfeile.

Die Zielrichter fanden schnell heraus, daß ein Pfeil das Ziel verfehlt und Hubert von Staffordshire deshalb ausgeschieden war, aber sie brauchten lange, um festzustellen, daß die anderen beiden Pfeile eng nebeneinander im Ziel steckten und kein Sieger zu ermitteln war. Prinz Johann hob die Hand. "Jeder schießt noch einen Pfeil," sagte er. "Entfernung zweihundertfünfzig Fuß."

Ein Raunen ging durch die Menge. Zweihundertfünfzig Fuß, wer wollte da mit dem Pfeil ein Ziel treffen, daß nicht größer als eine Pflaume war.

"Gilbert von Leicester schießt zuerst," ordnete der Sheriff von Nottingham als Veranstalter des Wettbewerbs an. Wieder ging ein Raunen durch die Menge, die diesmal aber nicht ihrer Bewunderung, sondern ihrem Unwillen Ausdruck geben wollte. Denn es war Sitte bei einem Stichkampf, daß die Reihenfolge der Schützen ausgelost wurde. Der erste Schütze hatte ja den Vorteil, auf eine unversehrte Scheibe zu schießen. Gilbert zögerte einen Moment, doch sein Gegner winkte ab. "Nimm getrost den ersten Schuß," sagte er.

Als das Hornsignal den entscheidenden Durchgang angekündigt hatte, herrschte auf dem Kampfspielplatz atemlose Stille. Gilbert spannte sein Bogen, legte den Pfeil auf die Sehne, visierte das Ziel an, zog den Bogenstrang mit ganzer Kraft hinter sein Ohr und ließ den Pfeil fliegen. Ein Aufschrei begleite den Flug. Der Pfeil hatte das Ziel genau in der Mitte getroffen. "Gilbert von Leicester ist Sieger," rief Prinz Johann. "Ein solcher Schuß ist nicht mehr zu übertreffen."

Die Menge jubelte Gilbert zu, der sich sehr geschmeichelt zeigte. Er war sicher, gewonnen zu haben, und im Gefühl des Sieges gab er sich großmütig. Mit der Hand winkte er den Beifall ab. "Hier steht noch ein Schütze," rief er. "Warten wir den Schuß ab."

Auf den Tribünen lachten einige, als habe Gilbert einen Scherz gemacht. Beim Volk da unten wurde zischend Ruhe gefordert. Kein laut war zu hören, als Gilberts Gegner an die Abschußlinie trat, sorgsam einen Pfeil auswählte, den Bogen mit gewaltiger Kraft spannte, kurz das Ziel anvisierte und dann den Pfeil schwirren ließ. Ein vielstimmiger Schrei erscholl. Der Pfeil hatte den mitten in der Scheibe steckenden des Gegners der Länge nach gespalten.

"Das war ein Meisterschuß," rief Prinz Johann. "So etwas habe ich noch nicht gesehen, Locksley gebührt den Preis. Wollt Ihr ihn ihm überreichen, Marian?" wandte er sich an die hübsche Hofdame. Die nickte errötend.

Als Augenblick später der Sieger vor dem Prinzen stand, um den goldenen Pfeil in Empfang zu nehmen, sagte Johann gönnerhaft:
"Empfange den Preis aus zarter Hand, Locksley. Die Komteß wird ihn dir reichen. Robin verbeugte sich galant vor der Dame und empfing neben den Preis einen Blick aus zwei blauen Augen. Er wußte sofort, daß er diese Augen nicht so schnell vergessen würde. "Locksley, ich mache dir ein Angebot," sagte Prinz Johann. "Tritt in meine Leibwache ein. Ich kann besser schlafen, wenn ich Schützen wie dich um mich weiß!"

"Ich danke Euch für das Angebot, mein Prinz," sagte Robin. "Doch ich muß es leider ausschlagen. Ein Freisasse wie ich muß frei leben, er taugt nicht zum Knechtsdienst." "Und wo lebst du frei, du Sachse? Sind nicht wir Normannen die Herren im Land, seit mein Vorfahre Wilhelm den Angsthasen Harald bei Hastings geschlagen hat.?" "Es gibt genügend Plätze in England, wo ein Mann noch frei leben kann," sagte Robin. "Zum Beispiel im Sherwood Wald!"

"Er ist Robin Hood, haltet ihn," rief im gleichen Augenblick am Ende der Tribüne der Steuereintreiber. Und die Ritter in der Umgebung des Prinzen sprangen auf und zogen ihre Schwerter. "Packt ihn," brüllte der Sheriff. "Packt ihn!"

Doch Robin Hood hatte auch schon sein Sachsenschwert in der Hand und drängte die normannischen Ritter zurück. Behende schwang er sich auf die Brüstung der Tribüne, schwenkte sein Schwert und lachte schallend. "Mich fangen, hahaha, mich, Robin Hood!"

Dann sprang er mit einem Satz auf die Wiese vor der Tribüne, rannte mit großen Sprüngen auf die Männer und Frauen des gemeinen Volks zu, die ihm bereitwillig eine Gasse öffneten, und war auch schon in der Menge verschwunden. "Haltet ihn, fangt ihn," brüllte immer noch der Sheriff.

Robin aber sprang auf das Pferd, das Allin hinter der Menschenmenge die ganze Zeit über am Zügel gehalten hatte, und sprengte mit dem Sänger davon. Ehe die normannischen Ritter schwerfällig auf ihre Pferde klettern konnten, waren die beiden geächteten auch schon im Wald verschwunden.

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